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Aussagen von Kretschmer und Tillich zum sächsischen Bildungssystem zeugen von absolutem Realitätsverlust der sächsichen CDU

Dresden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen kritisieren die Aussagen des Generalsekretärs der sächsischen Union Michael Kretschmer und von Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum sächsischen Bildungssystem scharf.

"Die Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht der Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schülern und Eltern in Sachsen. Das Bildungssystem funktioniert nur noch, weil die Lehrkräfte im Dienst alles menschenmögliche leisten um den Schülerinnen und Schülern halbwegs angemessene Lernbedingungen zu ermöglichen", so Christin Melcher, Landesvorstandssprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen.

"Wer über das sächsische Bildungssystem redet, darf zum massiven Lehrermangel und Unterrichtsausfall nicht schweigen. Wenn sich jemand in Deutschland permanent bemüht zu zeigen, wie Bildungspolitik nicht funktioniert, dann die sächsische CDU. 52% der in diesem Schuljahr in Sachsen eingestellten Lehrerinnen und Lehrer sind nicht für diesen Beruf ausgebildet - abhängig von Schulart und Region sogar bis zu 80%. Und trotz der großen Zahl an Seiteneinsteigern ist nicht in allen sächsischen Schulen die reguläre Stundenzahl abgesichert. Statt für Jubelparolen ist es endlich einmal an der Zeit für Demut und ernsthafte Bemühungen die unhaltbaren Zustände an sächsichen Schulen zu beenden"

Christin Melcher fügt persönlich hinzu: "An der Schule meines Kindes ist der Lehrermangel so groß, dass wenn auch nur eine Lehrkraft krank ist, die Kinder auf alle Klassen aufgeteilt werden. Quereinsteiger mussten erstmal drei Monate zur Weiterbildung geschickt werden und entlasten das System damit auch nicht. Man kann eigentlich nur noch von Betreuung der Kinder reden, aber nicht von Bildung."

Kritisch bewertet Christin Melcher auch die Äußerungen von Michael Kretschmer zum Kooperationsverbot:
"Herr Kretschmer fürchtet, Geld vom Bund würde an den 'klebrigen Händen' der Finanzminister der Länder hängen bleiben. Er sollte erstmal vor der eigenen Haustür kehren, bevor er solche Äußerungen tätigt. Das Kooperationsverbot ist ein Hemmnis für tragfähige Schulpolitik. Jedes Land sollte sich freuen, wenn der Bund mehr Gelder zur Verfügung stellt. Wir wollen finanzschwache Kommunen entlasten und den enormen Sanierungsstau an Schulen auflösen. Dazu wollen wir 10 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, weitere 4 Milliarden wollen wir für den Ausbau der Ganztagsschulplätze investieren."

 

Pressemitteilung 2017-53 vom 29.08.2017