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Leipziger Willkommenskultur?

Am 18. Juli hat der Stadtrat über das Konzept „Wohnen für Berechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in Leipzig“ entschieden. Das Konzept fand unter der großen Mehrheit der Stadträtinnen und Stadträte Zustimmung – eine scheinbar selbstverständliche Entscheidung, die im Vorfeld aber Ausgangspunkt hitziger Debatten war.

Anlass dazu war die vorgesehene Schließung der sich in einem besonders maroden Zustand befindenden Sammelunterkunft für Flüchtlinge auf der Torgauer Straße bis Herbst 2013. Die GRÜNE-Fraktion im Leipziger Stadtrat hatte bereits 2010 zusammen mit der Linksfraktion erfolgreich einen Antrag zur Erarbeitung eines Konzeptes der dezentralen Unterbringung von Asylsuchenden eingebracht. Das Ende Mai diesen Jahres vorgelegte Konzept muss u. a. deshalb als Kompromiss gesehen werden, da es weiterhin keine konsequente dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden, sondern nur deren Verteilung auf kleinere Gemeinschaftsunterkünften vorsieht.

Obgleich die VertreterInnen der Stadtspitze mit dem neuen Konzept nicht ehrlich und offensiv genug an die Öffentlichkeit getreten sind, überraschten die in den letzten Monaten zu Tage getretenen Defizite Leipziger Willkommenskultur: Viele AnwohnerInnen der von den Standorten „betroffenen“ Stadtteile, wie Portitz und Wahren, äußerten in aggressiver und diskriminierender Weise Vorurteile gegenüber Asylsuchenden, die pauschal als „Kriminelle“ oder „Drogendealer“ bezeichnet wurden.

Dass sich aber zahlreiche Leipzigerinnen und Leipziger auch klar gegen die oft menschenfeindlichen Äußerungen verschiedener Einzelpersonen und Bürgerinitiativen positionierten, bewies letztlich vor allem das Engagement zahlreicher zivilgesellschaftlicher Initiativen: So haben die durch den „Initiativkreis: Menschen.Würdig.“ gesammelten 5.410 Unterschriften für die Umsetzung des Konzeptes maßgeblich zu dessen Erfolg im Stadtrat beigetragen.

Diana Hohner, KV Leipzig