Bericht aus dem ersten Workshop zum Thema nachhaltiges Wachstum
„Nachhaltiges Grünes Wachstum als Chance für Sachsens Wirtschaft und Gesellschaft“ Mammutthema für einen Mammutworkshop. Die Kartenabfrage der Moderatorin Petra Welz zu Kopf- und Bauchreaktion beim Hören des Tagesthemas brachte dann auch dementsprechend Buntes. 25 Menschen, 50 Erwartungen, Gefühle und Vorstellungen zum Thema.
Im Fokus des Workshops stand der Versuch, eine gemeinsame Vorstellung des Wachstumsbegriffes, eine Definition grünen Wachstums und eine produktiv verwendbare oder in politische Handlungsoptionen übersetzbare Strategie auf bestimmten Wachstumsfeldern zu beschreiben. Eine große Herausforderung: zu viele Begriffe, Ideen und verschiedene Fragestellungen waren im Raum. Sie verdienen eine weiterführende breite Diskussion in den kommenden Monaten – ein wichtiges Ergebnis dieses ersten Teils des Workshops.
Produktiv bunte Arbeit gab es dann am Nachmittag. Zunächst gab es einen kurzen Input zum Thema Wachstumsstreit bei den Grünen, ein Referat über Reinhard Loskes Schrift „Abschied vom Wachstumszwang: Konturen einer Politik der Mäßigung“, Rangsdorf: 2010.
Die darin beschriebenen möglichen Politikfelder nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann in einer Gruppenarbeit, in der sie Handlungsempfehlungen für grüne Politik sammelten und zusammenstellten. Das Ergebnis ist beachtlich vielfältig:
Die erste Gruppe befasste sich mit dem zu Grunde liegenden Wachstumsbegriff und der Überzeugung, grüne Wirtschaftspolitik möge immer kurz- UND langfristige Zielsetzungen im Auge behalten. Gerade in Hinsicht auf die Erreichung und Durchsetzung von Nachhaltigkeitskriterien ist diese Sichtweise wichtig. Diskutiert wurde auch ein alternativer Wohlfahrtsindex für Sachsen. Er könnte aufzeigen, welche sozialen und ökologischen Kosten in einer ausschließlich auf quantitatives Wachstum ausgerichteten Ökonomie eingepreist werden müssten. Ziel sollte sein, dies in die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Thema war ebenso die Förderlandschaft in Sachsen und Möglichkeiten der Umgestaltung dieser Förderlandschaft nach Nachhaltigkeitskriterien. Dazu zählen Kredite und Förderungen für Ressourceneinsparprojekte, für das Einführen von Umweltmanagmentsystemen etc. Carsharing als wirtschaftsförderndes Mobilitätsprojekt aus den Städten in die Fläche zu bringen, an die ÖPNV-Netze anzudocken und dort zu fördern wurde ebenso besprochen.
Die zweite Gruppe befasste sich mit dem Thema Regionalisierung. Darin ging es vor allem um die Förderung größere Selbstbestimmung der Regionen: Entwicklung von Konzepten vor Ort für Energie, Mobilität, Gesundheit, Bildung, Wirtschaftsförderung. Regionale Förderprogramme insbesondere für Förderung der regionalen Grundbedürfnisse aber auch zielgenaue KMU-Förderung wurden ebenso besprochen wie das Ziel regionale Infrastrukturen in öffentlicher Hand zu belassen.
Die dritte Gruppe beriet vor allem eine Strategie für die weitere innerparteiliche Diskussion zu den aufgeworfenen Begriffen wie „Wachstum“, „Wohlstand“, „Nachhaltigkeit“ und dem Anspruch diese auch in der Öffentlichkeit anzustoßen. Einigkeit bestand darin noch verstärkter als bisher in den Dialog und den Austausch zu diesem Thema mit den Akteuren der Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft zu treten. Chancen und Innovationsfelder für nachhaltiges Wachstum sollen gesucht und gefördert werden z.B. in der Land- und Forstwirtschaft, im Tourismus und bei den Umwelttechnologien. Ordnungspolitische Hemmnisse für den ökologischen Umbau sollen benannt und beseitigt werden.
Die vierte Gruppe formulierte die Notwendigkeit einer sächsischen „Cradle to Cradle“-Strategie. Sie beschreibt die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Vorteile des Wirtschaftens in Kreisläufen. Weniger verbrauchen und mehr nutzen, wiederverwerten anstatt aussortieren und vor allem auch die Verlängerung der Nutzungsdauer von Gütern steht dabei im Mittelpunkt. Eine solche Strategie sollte entwickelt und genau beschrieben werden. Diskutiert wurden in diesem Zusammenhang auch regionale Wirtschaftskreisläufe und Regionalgeld, Kultur- Tourismus- und Welterbewirtschaft. Stärker als bisher müssen für eine „Cradle to Cradle“ Strategie Forschung und Entwicklung unterstützt und Patententwickler und Wirtschaft für grüne Produkte zusammengebracht werden. Eine neue
„GRÜNderzeit“ also Selbständigkeit und Unternehmergeist muss besser befördert werden.
Die Bandbreite der diskutierten Themen und Ideen ist erstaunlich weit: von ganz konkret einfachen aber neuen Politikideen über strukturelle Veränderungen bis hin zu den großen Fragen: wie wollen wir zukünftig leben. Und in diesem Spektrum bewegt sich ja schließlich Politik, auch wenn sie Wirtschaftspolitik heißt, oder?
Kornelius Unckell

