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Rezension: „Worauf wir uns verlassen wollen“ von Winfried Kretschmann

Rezension:

„Worauf wir uns verlassen wollen“ von Winfried Kretschmann

Für eine neue Idee des Konservativen

 

Als erster grüner Ministerpräsident Baden-Württembergs hat Winfried Kretschmann schon bewiesen, dass sich Grüne Politik auch mit konservativen Werten verbindet lässt. Mit seinem neuen Buch „Worauf wir uns verlassen wollen. Für eine neue Idee des Konservativen“ verfolgt Kretschmann nun das ehrgeizige Ziel konservative und grüne Werte zu verbinden, ein neues Wertesystem aufzubauen und damit der CDU/CSU die Alleinvertretung konservativer Themen streitig zu machen.

Ein solches Wertesystem übersichtlich aufzubauen ist sicherlich kein einfaches Anliegen, der Versuch es in knapp 150 Seiten zu schaffen eine Herausforderung. Als Grundlage oder Grundgerüst bedient sich Kretschmann den Ideen und Zitaten bekannter Philosophen, welche im Laufe des Buches immer wieder aufgegriffen werden. So orientiert sich Kretschmann beispielsweise bei seinem Demokratieverständnis und Freiheitsbegriff an Hannah Arendt und seinem Menschenbild an Immanuel Kant („der Mensch ist aus krummem Holze geschnitzt“). Der ständige Bezug auf die Philosophen ist aber wohldosiert und rutscht glücklicherweise nicht in intellektuelles Gehabe ab. In der Einleitung begründet Kretschmann die Veröffentlichung des Buchs mit der vergleichsweisen instabilen Lage, in der sich demokratische Staaten weltweit befinden. Das Buch soll eine Möglichkeit aufzeigen, mit der zumindest in Deutschland dem Populismus und der Politikverdrossenheit Einhalt geboten werden soll.

Im Hauptteil beginnt Kretschmann sein neues konservatives Wertesystem aufzubauen. Dafür beschäftigt er sich beispielsweise anfangs mit grünen Themen wie Nachhaltigkeit und dem Klimawandel, später auch mit eher klassischen konservativen Themen wie Ehe, Heimat und Familie. Für jeden Themenbereich stellt er eine neue Herangehensweise vor, bei der grüne und konservative Werte miteinander verbunden werden sollen. Ein gutes Beispiel für seine Bemühungen ist die Verbindung von Nachhaltigkeit und Heimat. Es ist ein Aufruf gegen die kurzsichtig gedachte Versiegelung von Grünflächen in Städten und auf dem Land. Mit dem Bewahren der Umwelt, Natur und Heimat soll man nicht nur grüne Wähler*innen, sondern auch konservative Wähler*innen auf dem Land erreichen, der nicht die technokratischen Hoffnungen der CDU teilt.  Auf ähnliche Weise versucht Kretschmann auch bei den anderen Themen einen Kompromiss zu finden, der grüne und konservative Werte versöhnt. Immer wieder plädiert er für ein „Maß der Mitte“. Werte und Überzeugungen sollten verteidigt werden, deren Verteidigung aber nicht in Kompromisslosigkeit und Sturheit abdriften. So tritt er beispielsweise für mehr Förderung für Migrant*innen ein, will aber auch gleichzeitig mehr Forderungen an Migrant*innen stellen („Integration fördern und Integration fordern“).

Das Buch bietet dabei leider keine Lösungsvorschläge für aktuelle Probleme. Es geht zwar auf aktuelle Probleme ein, schlägt jedoch keine Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel oder Bildungsungleichheit vor. Dies ist aber auch nicht Kretschmanns Ziel. Viel mehr möchte er die Werte oder Überzeugungen aufzeigen, von denen man sich bei der Suche nach solchen Lösungen leiten lassen sollte. Heraus kommt dabei eine große Bandbreite an positiven Eigenschaften und Werten, die das Handeln eines Politikers und Menschen bestimmen sollen. Kretschmanns Plädoyer für die „drei großen V“ (Vertrauen, Verlässlichkeit, Vertragstreue), mehr gemeinschaftliche Zusammenarbeit, Zuhören oder mehr Demokratie und viele weitere Werte wirkt teilweise abgedroschen. Zu oft schon hat man von anderen Personen die gleichen Botschaften vernommen.

Dennoch lässt sich das Buch gut lesen. Kretschmann schafft es tatsächlich auf den knapp 150 Seiten sein Ziel zu erreichen und stellt die Idee seinen neuen bürgerlichen Konservatismus übersichtlich dar. Es gelingt ihm auf, teilweise eindrucksvolle Weise, die grünen und konservativen Werte miteinander zu verbinden. Die Wahlen in Bayern und Hessen haben bewiesen, dass die Grünen auch bei ehemaligen CDU/CSU-Wähler*innen Stimmen gewinnen können. Ob das Buch hingegen wirklich helfen kann, dem Populismus und der Politikverdrossenheit in Deutschland etwas entgegenzusetzen, ist zum aktuellen Zeitpunkt eher zu bezweifeln. Das Buch ist allen Menschen zu empfehlen, die gerne mehr über Kretschmann erfahren möchten, oder den Erfolg der Grünen bei den letzten Landtagswahlen nachvollziehen wollen. Des Weiteren kommen Menschen, die Interesse an einer neuen „aufgeklärten“ Form des Konservatismus haben, beim Lesen des Buches mit Sicherheit auf ihre Kosten.


                                                                                            von

Jonathan Fritz

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