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Erhaltung der Biodiversität ist Stiefkind der schwarz-gelben Regierung

Entwicklung des Gesamt- und des Naturschutzetats des SMUL

Für die schwarz-gelbe Regierung in Dresden ist Naturschutz ein Stiefkind. Beim Umwelt- und Naturschutz soll – wie schon 2010 – überdurchschnittlich und besonders einschneidend eingespart werden. Und so werden sich trotz aller Bekenntnisse, internationaler Verpflichtungen und großartiger Ziele die Rahmenbedingungen für den Naturschutz weiter verschlechtern.

Bei Konflikten zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Erhalt der Artenvielfalt entscheidet die Staatsregierung grundsätzlich zugunsten der Wirtschaft. Dabei geht völlig unter, dass die konventionelle Landwirtschaft die Hauptverantwortung für das Artensterben in Sachsen trägt. Ziesel, Feldhamster und Großtrappe sind die vielleicht prominentesten Opfer der industriellen Landwirtschaft in Sachsen. Die Bestände von Feldhasen, Reb­hühnern, Kiebitzen und anderen Tieren der freien Agrarflur schrumpfen kontinuierlich.

Die Artenvielfalt in Sachsen hat sich dort relativ gut entwickelt, wo bedrohte Arten mit Schutzgebieten auskommen oder in Gebieten leben, die wirtschaftlich weniger in Anspruch genommen werden. Artenzuwachs hat es auch in den Flüssen und Bächen gegeben, deren Wasser seit dem Ende der DDR deutlich sauberer geworden ist .

Optimal statt maximal
Wer der Natur alle Erträge entnimmt, nimmt ihr die Existenzgrundlage. Auch „nutzlose“ Pflanzen brauchen Lebensraum und bieten Tieren und Pilzen Nahrung. Wer Insekten flächendeckend vernichtet, damit sie nicht die Ernte mindern, nimmt sehr vielen Tieren das Futter. Artenvielfalt ist nur möglich, wenn wir der Natur einen kleinen Teil der Erträge lassen und Lebensräume erhalten. Optimale, nicht maximale Nutzung der Natur ist das Gebot der Stunde.

Eine naturfreundliche Alternative ist der Ökolandbau. Damit ist es in Sachsen schlecht bestellt. Mit 3,5 Prozent Nutzfläche liegt Sachsen einen Prozentpunkt und damit weit unter Bundesdurchschnitt. Geplant waren 10 Prozent Anteil des biologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Sachsen bis 2010 laut Landesentwicklungsplan von 2003.

Erhaltung von stillgelegten Flächen und Ödland, wenig gedüngte Wiesen und Weiden, kleinere Felder, Hecken und Feldgehölze, Feldraine und eine deutlich größere Zahl von angebauten Kulturpflanzen würden auch auf konventionell bewirtschafteten Feldern die Überlebensbedingungen für viele Arten verbessern. Der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden muss drastisch reduziert werden.

Politik zu Lasten der Natur
Die Vereinigung von Landwirtschaft und Umweltschutz in einem Ministerium ist eine Fehlkonstruktion, die dazu führt, dass Konflikte zwischen industrialisierter Landwirtschaft und Forstwirtschaft einseitig zu Lasten von Natur und Umwelt gelöst werden. Umweltschutz gehört mit Verbraucherschutz und Gesundheit in ein eigenes Ministerium. Für die Land- und Forstwirtschaft genügt eine Abteilung im Wirtschaftsministerium.

In der öffentlichen Diskussion geht weitgehend unter, dass die einseitig geförderten Wirtschaftswälder mit ihrer extremen Artenverarmung ebenfalls der Biodiversität schaden. Verschärft wird das noch durch Bevorzugung nichtheimischer Arten. Begründet wird die Bevorzugung von Roteichen, Douglasien u.a. mit dem Klimawandel. Wenn sich doch die sächsische Regierung doch genauso intensiv um den Klimawandel kümmerte, wenn es um die Bekämpfung von dessen Ursachen geht!

Weitere Ursachen für den Artenrückgang sind:

  • die Versieglung von Flächen und vor allem der überzogene Straßenbau. Auf versiegelten Flächen wächst nichts und der Boden darunter stirbt mangels Wasser. Straßen und Autobahnen zerschneiden Lebensräume und schaffen kleine, langfristig nicht überlebensfähige Inzuchtgemeinschaften.
  • mangelnde Kenntnisse. Viele Naturschäden in Gärten, Naherholungsgebieten und in Unternehmen entstehen aus Ahnungslosigkeit, nicht aus wirtschaftlichen Zwängen. Die Vermittlung von Kenntnissen über die heimische Natur muss einen weit höheren Stellenwert erhalten. Die sehr einseitige Ausbildung von Schule und Studium auf unmittelbare wirtschaftlich verwertbare Kenntnisse kommt uns teuer zu stehen. Das ist nicht länger bezahlbar.
  • ein Naturverständnis, das den Schutz der Artenvielfalt als Zusatzaufgabe sieht, die zurück zu stehen hat, wenn die Wirtschaft in Not gerät, kann die Artenvielfalt nicht retten. Wir müssen und können auch in Sachsen so wirtschaften, dass intelligente wirtschaftliche Nutzung der Artenvielfalt hilft, statt ihr zu schaden.

 

Dr. Leonhard Kasek, Mitglied im Kreisverband Leipzig