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Fördermittelscouts: Den Übergang von der institutionellen zur Projektförderung gestalten

Vor etwa 20 Jahren sollte mit dem Förderprogramm „Schaffung neuer Jugendhilfestrukturen in den neuen Bundesländern“ eine offene Jugendarbeit entstehen, meines Erachtens mit dem Ziel der Ablösung der ehemaligen Pionierhäuser und FDJ-Clubs. In dieser Gründerzeit entstanden vielfältige Vereine, unter anderem der Görlitzer Verein CaTeeDrale, der aus der sozialdiakonischen offenen Jugendarbeit (Teestuben- und Teekellerarbeit) entstand. Mit dem damals klaren politischen Signal zur Schaffung neuer Strukturen, schaffte unser Verein gleich Tatsachen und kaufte auf Kredit (der noch läuft) eine Immobilie für die offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Görlitz.

Durch die anfängliche Förderung und ehrenamtliches Engagement konnte das Haus an sechs Tagen die Woche bis 22 Uhr bespielt werden. Bedingt durch die ständigen Kürzungen sind unsere Öffnungszeiten auf vier Tage bis 19:30 Uhr eingeschränkt worden. Angestellt sind zwei hauptamtliche Mitarbeiter auf Teilzeit, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Praktikanten verschiedener (Hoch)Schulen zusammenarbeiten.

Der Trend der regelmäßigen Kürzung im Bereich der Regelförderung hat bei vielen Trägern eine existentielle Grenze erreicht. Im Gegenzug dazu nahm die Projektförderung zu. Der Aufwand, diese zu beantragen, abzurufen und abzurechnen ist jedoch so groß, dass dies nicht „nebenbei“, also ehrenamtlich, geleistet werden kann. Dies wird auch anhand der Antragsvoraussetzungen deutlich: bis zu 18 Seiten für eine Jugendbegegnung, zweisprachige Anträge bei der EU, 100 Prozent Vorfinanzierung durch den Träger usw. Das Dilemma hierbei ist, dass immer weniger Projektgelder abgerufen werden können, da durch die stetigen Kürzungen die personelle Decke fehlt, diese Mittel zu beantragen.

Um diesem Dilemma zu begegnen, müssten so genannte Fördermittelscouts eingesetzt werden, die über aktuelle Fördermöglichkeiten genauestens Bescheid wissen (nicht einfach wie üblich eine Rundmail mit einem Link zu einem Förderprogramm).

Sie sollen Kontakte zu freien Trägern halten und ihre Ideen bis zur Projektbeantragung fachlich begleiten, zeitgleich mit potentiellen Fördermittelgebern oder aktuellen Förderprogrammen formell und informell Kontakt aufnehmen, die Anträge für die Träger einreichen und ihnen bei der Abrechnung behilflich sein.

In der Anfangsphase einer solchen Personalstelle müsste eine öffentliche Vollfinanzierung gewährleistet sein, mit einer 10-prozentigen Kürzung pro Jahr. Parallel dazu müsste der Fördermittelscout seine eigenen Kosten im gleichem Umfang bei den Projekten in Absprache mit Fördermittelgebern und Antragstellern mit einplanen. Somit ist zum einen eine kontrollierte Reduzierung öffentlicher Gelder gewährleistet, zum anderen eine Eigenmotivation des Fördermittelscouts, Projekte qualitativ und erfolgreich zu realisieren.

Enno Deege, Jugend- und Kindertreff CaTeeDrale e.V.