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Joschka in Leipzig

Auf seiner sechswöchigen Wahlkampf-Bustour machte Joschka Fischer an diesem Dienstag auf dem Leipziger Augustusplatz halt. Bei Sicherheitsstufe 1 und trotz widriger Wetterverhältnisse hatten sich etwa 1.500 Zuhörer und Zuschauer eingefunden. Gegen 19.30 Uhr wurde die Veranstaltung von den sächsischen Spitzenkandidaten Monika Lazar (und Direktkandidatin für Leipzig Süd) und Peter Hettlich eröffnet. Beide Redner hoben hervor, dass grüne Politik für die Angleichung der Lebensverhältnisse stehe und weiter dafür kämpfen werde. Monika sprach sich gegen eine Durchökonomisierung von Bildung aus und für eine Weiterverfolgung der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Peter fragte (selbst-)kritisch, ob Rot-Grün in seiner Regierungszeit alle gesteckten Ziele erreicht habe. Er befand, dass diese Frage ehrlicherweise mit "nein" beantwortet müsse. Er zweifelte etwa an, dass die Gelder aus dem Solidarpakt I nicht effektiv eingesetzt worden seien, also nicht im Sinne einer Angleichung von Ost und West sowie des Ziel, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Peter kritisierte Bauvorhaben und Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur, die diese Ziele unterstützen sollten, aber, laut Peter, bisher keine Wirkung zeigten. Er plädierte für eine Investition in Bildung anstatt in Beton.
Um 19.50 betrat Joschka die Bühne. Seine rauhe Stimme zeugte hörbar von einem heißem Wahlkampf. Nachdem er die bunte Mischung des Publikums (abzulesen an verschieden Transparent-Sprüchen) würdigte, war sein erstes Thema grüne Umweltpolitik. Mit Blick auf Erneuerbare Energien stellte er heraus, dass neue Arbeitsplätze nicht gegen, sondern mit der Umwelt entstehen. Vorfahrt für Arbeit funktioniere am besten über diese Wachstumsbranche, in der Deutschland über beachtliches und zu förderndes Know-how verfüge. Der grüne Spitzenkandidat verteidigte Hartz IV, betonte dessen Notwendigkeit, zählte aber ebenso eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen auf. Was Merkel und Kirchhof planen, bezeichnete er als neokonservative Wende und Abschaffung des Sozialstaates. Die Defizite der Steuerreform würden über den Sozialstaat finanziert. Joschka warb für die grüne Bürgerversicherung, die Solidarität im Versicherungssystem zukunftssicher machen würde. Außenpolitisch widmete er sich Afrika, dem Mittleren und Nahen Osten sowie der Türkei. Außerdem verteidigte er den Einsatz militärischer Mittel im Kosovo und in Afghanistan. In Richtung SPD sprach isch der Vizekanzler gegen den Kniefall vor der Großen Koalition an, und forderte auf, die rot-grüne Mehrheit zu verteidigen.
Neben inhaltlichen Themen ging Joschka auf kritische, unsachliche und zynische Bemerkungen einzelner Zuschauer ein. Er konterte schlagfertig und zum Vergnügen des ansonsten friedlichen Publikums. Der freundliche Applaus am Ende seiner 35-minütigen Rede galt dem erfahrenen Politiker und gutem Rhetoriker.