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Kaum Zeit für Visiten

Ich erlebe als Stationsärztin den Ärztemangel besonders in der täglich anfallenden Arbeit. Insbesondere habe ich den Eindruck, dass die Strukturen dafür sorgen, dass Ärzte fehlen. Und dafür sind ausgerechnet die Kostendämpfungsrunden verantwortlich!

Weil die Krankenkassen akribisch auf die rechtmäßige Verwendung ihrer Beitragsmittel achten, geht viel Arbeitszeit für die Schriftform drauf. Umfangreiche Verlängerungsanträge zwingen mich in ein zeitliches Korsett, dem die Visite oftmals zum Opfer fällt.

Und weil im Akutbereich zur Effizienzsteigerung ein pauschaliertes Abrechnungssystem (DRG) eingeführt wurde, das zu wenig Rücksicht auf die alternde Gesellschaft nimmt, werden PatientInnen frühzeitig in Rehabilitationskliniken verlegt, wo nach Tagessätzen abgerechnet wird. Die Reha passt sich an und erweitert ihr Angebot in den frührehabilitativen Bereich. Dazu werden neue, parallele Strukturen aufgebaut, die wiederum mit Fachpersonal zu besetzen sind. In diesem kräftezehrenden Umbruch stecken wir, er führt zu erheblicher Fluktuation und großer Unzufriedenheit unter den Assistenzärzten.

Ich erwarte im Gesundheitswesen weniger Marktwirtschaft und mehr Steuerung, damit eine fachlich zeitgemäße Versorgung gewährleistet wird.

Katharina Krefft, Ärztin in Weiterbildung