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KINDERGRÜN: Grüne Lobby für Kinder

Einzigartig und neu ? nach Grüner Jugend, Unternehmensgrün, Gewerkschaftsgrün und Grüne Alte jetzt das: Kindergrün.

Leipzig ist schon etwas Besonderes. Seit einigen Jahren steigen die Geburtszahlen, 2006 wurde die 5000er Marke überschritten. Auch bei einigen Aktiven im Kreisverband wurde die Zwischenwahlzeit genutzt, um mehr zu werden. Und da dachte sich die werdende Mutti: das könnte man doch nutzen. Immerhin leben wir in einer Stadt, in der Familienpolitik ? eine Politik für eine ausgeglichene Altersstruktur und für bessere Bedingungen für Familien mit Kindern ? vorgeblich eine besondere Rolle spielen soll.

Dabei sei die Frage erlaubt: Geht es Familienpolitik wirklich um die Kinder ? oder mehr um die Eltern? Der Betreuungsaspekt steht in der Diskussion um die Kindertagesbetreuung (zu) stark im Vordergrund, die frühkindliche Bildung hängt leider noch stark vom Engagement Einzelner ab. Aber Kinder brauchen mehr. Sie brauchen Freiraum zum Bewegen, feinstaubarme Luft zum Atmen, absoluten Vorrang im Straßenverkehr, allgemein mehr Platz im öffentlichen Raum und im öffentlichen Bewusstsein.

Leipzig fängt da nicht bei Null an. Es gibt schließlich einen Familien- und Kinderbeirat bei der Stadt, eine Initiative Familienstadt, nicht zu vergessen den Jugendhilfeausschuss, freie Träger und Initiativen, die mit Kindern zu tun haben. Aber tut sich in Leipzig wirklich etwas für die Kinder?

Der Jugendamtsetat erschöpft sich zu 63 % in den Zuschüssen für die Kindertagesstätten, Pflichtaufgaben werden nur mit dem absoluten Minimum erfüllt, freiwillige Leistungen absolut ungenügend finanziert. Die Umweltbildung läuft nicht unter dem Label ?Kinder?, sondern unter Umwelt und wurde bei der Förderung stark abgewertet. Die Spielplätze harren einer umfassenden Sanierung und auch in Leipzig wird Kinderlärm als mietmindernd eingestuft. Freiraum für Kinder gibt?s nur im geschützten, nicht aber im öffentlichen Raum. Während die Autos frei herumfahren dürfen, werden unsere Kinder eingezäunt.

Genügend Brennpunkte, genügend Themen ? aber für die Grüne Jugend doch zu früh. Daher machten wir ? 6 Kinder und ein Babybauch, 11 Vatis und Muttis ? den Anfang und gründeten im Februar 2007 Kindergrün. Ganz bewusst machen wir keine Familienpolitik, ganz bewusst versuchen wir, Politik eher aus dem Blickwinkel der Kinder zu machen.

Und wir haben bereits kleine Erfolge zu verzeichnen. Die Einführung einer gesonderten Preiskategorie für Kinder unter einem Jahr in den Leipziger Bädern ? immerhin 2,50 Euro ? wird auf unsere Intervention hin zurückgenommen, denn Bewegung für Kinder darf nicht am Geldbeutel scheitern.

Der Spielplatz in der Innenstadt, um den wir seit vielen Jahren kämpfen, kommt ? nach Aktionen, Plakatkampagne und Pressearbeit von Kindergrün. Der einmalig veranstaltete Winterspielplatz war ein Erfolg ? ein kostenfreier Treffpunkt für die Kleinsten scheint in Leipzig eine Leerstelle zu sein.

Kindergrün soll die Kinderpolitik bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lauter machen. Sei es in der Arbeit gegen Gewalt an Kindern, für wohnortnahe Betreuung ohne Zugangskriterien, für die finanzielle Förderung von allem, was Kindern gut tut (also auch Umweltvereine, Frauenvereine) ? der Einsatz unserer Stadtratsfraktion führte zwar oft zu städtischem Handeln, wurde dann aber vom Oberbürgermeister als sein Erfolg verkauft.

Das Thema Kinder und Familie scheint gerade ?in? zu sein, und jede und jeder meint, etwas dazu beitragen zu müssen. Wir aber wollen Veränderungen einfordern und umsetzen und keine Lippenbekenntnisse des Oberbürgermeisters. Und so werden wir weiterkämpfen. Denn wo Familienfreundlichkeit draufsteht, muss Kinderfreiheit drin sein.

Und wie sieht die Zukunft aus? Wir freuen uns auf Nachahmung. Weitere Informationen und Kontakt: www.kindergruen.de

Dieser Beitrag von Katharina Krefft (KV Leipzig) wurde der Ausgabe 2008-02 des ?Aufwind? (PDF-Datei), der Mitgliederzeitung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen, entnommen.