Update für Akzeptanz und Selbstbestimmung in Förderpolitik und Lehrplänen

1 Die Akzeptanz von Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen oder
2 sich nicht dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig zu fühlen,
3 ist dank des vielfältigen Engagements zivilgesellschaftlicher Organisationen und
4 jedes einzelnen Coming Outs in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Dennoch
5 gibt es weiterhin regional erhebliche Unterschiede bei der Akzeptanz von
6 Anderessein, viele erleben immernoch Diskriminierung und Ausgrenzung, bis hin zu
7 Hass.
8 Jugendliche stehen gleichzeitig vor mehreren Herausforderungen, einerseits dem
9 Bewusstwerden der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität
10 und andererseits, dem Umgang ihrer Mitmenschen mit diesen Themen. Erfahrungen
11 von Ausgrenzung in der Schule, und damit an einem zentralen Lebensbereich von
12 Jugendlichen, können prägend sein.
13 Wir sind der Überzeugung, dass es zu unseren staatlichen Aufgaben gehört,
14 Schulen zu sicheren Orten für alle Schüler*innen zu entwickeln, indem wir
15 Antidiskriminierung vermitteln, die Inklusion untereinander fördern und queere
16 Jugendliche durch Angebote des Empowerments in ihrer eigenen Identität stärken.
17 Die Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt bzw. queere
18 Bildungsarbeit ist dafür unerlässlich.
19 Wir BÜNDNISGRÜNE setzen uns zum Ziel, flächendeckend jede Oberschule und jedes
20 Gymnasium in Sachsen jedes Jahr mit queeren Bildungsangeboten zu erreichen.
21 Dafür fordern wir:
22 1.)Bekenntnis zur Regelförderung für Aufklärung über sexuelle und
23 geschlechtliche Vielfalt
24 Die queere Bildungsarbeit wird in Sachsen seit mehr als 15 Jahren von 3 Vereinen
25 in Dresden, Leipzig und Chemnitz mit ihren vielen ehrenamtlichen
26 Mitarbeiter*innen getragen. Deren Arbeit wurde bisher durch wechselnde
27 Projektförderungen staatlich unterstützt. Wir BÜNDNISGRÜNE sind der Überzeugung,
28 eine gesicherte, institutionelle Finazierung der Kinder- und Jugendarbeit muss
29 unabhänging von überzeichneten Fördertöpfen erreicht werden. Wir wollen ein
30 flächendeckendes queeres Bildungsangebot in den kreisfreien Städten Dresden,
31 Leipzig und Chemnitz sowie in den ländlichen Räumen sicherstellen und den
32 Fortschritt durch ein regelmäßiges Monitoring überprüfen. Die Finanzierung
33 wollen wir systematisch als eigenständige Regelföderung über den Haushalt des

34 Freistaats Sachsen etablieren, denn dauerhafte Aufgaben brauchen eine dauerhafte
35 Förderung.
36 2.) Unerledigte Aufgaben erfordern Mittelzuwachs um 60%
37 Der vom Freistaat Sachsen im Rahmen der Pandemiebekämpfung verordnete Ausfall
38 von Präsenzunterricht an den Schulen hat gleichzeitig zu einem massiven
39 Mehrbedarf an Aufklärung geführt, weil nun mehrere Jahrgänge seit dem Frühjahr
40 2020 kaum Zugang zu queeren Bildungsprojekten hatten. Dieser Nachholeffekt
41 zeichnet sich bereits in Form von deutlich mehr Anfragen für individuelle
42 Beratung ab und muss systematisch angegangen werden, z.B. durch zusätzliche
43 Jugendarbeit sowie mehr Personal dafür. Darüber hinaus gibt es in Ostsachsen und
44 im Umland von Dresden auch im Jahr 2022 keine Projekte an Schulen zur Aufklärung
45 über geschlechltiche und sexuelle Vielfalt. Der überdurchschnittlich hohen
46 Inflation seit 2021 begegnen wir mit einem entsprechenden Mittelzuwachs um die
47 Wirksamkeit der Projekte sicherzustellen. Alle zusätzlichen Bedarfe
48 zusammengenommen ergeben einen Finanzbedarf von mindestens 60% über dem bisher
49 bewilligten Fördervolumen.
50 3.) Verbindliche Behandlung der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt in
51 sächsischen Lehrplänen
52 Wir fordern die Verankerung queerer Inhalte in den Lehrplänen aller Schularten
53 Sachsens in einem fächerübergreifenden Ansatz und mit Kompetenzstandards, die
54 allen Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften bekannt sind. An allen
55 weiterführenden sächsischen Schulen sollen Ansprechpersonen für geschlechtliche
56 und sexuelle Vielfalt benannt werden. Diese setzen sich als qualifizierte
57 Multiplikator*innen im Bereich LSBTIQ* ein, übernehmen die Organisation von
58 Schüler*innengruppen und informieren über Fortbildungsangebote. Dafür erhalten
59 sie mindestens eine Abminderungsstunde und Zugang zu Fort- und Weiterbildungen,
60 ggf. auch in anderen Bundesländern. In der Lehrkräfteausbildung und der
61 Ausbildung von pädagogischem Fachpersonal wollen wir die Themen geschlechtliche
62 und sexuelle Vielfalt sowie Antidiskriminierung als verpflichtende Inhalte
63 verankern. Ebensolche Angebote sollen Teil von qualitätsgesicherten Fort- und
64 Weiterbildungsmaßnahmen sein.
65 4.) Ostsachsen braucht ein eigenes, flächendeckendes queeres Bildungsangebot
66 Die strukturelle Unterversorgung des ländlichen Raumes in Ostsachsen wollen wir
67 durch zusätzliche Förderung angehen, damit die wenigen vorhandenen queeren
68 Initiativen in die Bildungsarbeit eingebunden und untereinander vernetzt werden
69 können. Dies braucht Personal zur Koordinierung und einen Anlaufpunkt vor Ort.
70 Dabei sind sowohl aufsuchende Angebote, wie auch die Erreichbarkeit durchgute
71 ÖPNV-Anbindungwichtig, was durch die bestehenden Strukturen aus Dresden heraus
72 nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Die Charakteristik des ländlichen
73 Raumes durch weite Strecken, Landflucht, Strukturschwäche und vorherrschende
74 konservative Weltbilder erfordern ein maßgeschneidertes Angebot an
75 niedrigschwelligen, digitalen Netzwerken und Nachsorge-Kanälen im Anschluss an
76 die Bildungsprojekte an den Schulen. Jedoch ist in einem bereits gefassten
77 Vertrauensverhältnis das persönliche Gespräch nicht zu ersetzen, weshalb eine
78 Ansprechbarkeit in der Region für Schüler*innen tatsächlich gewährleistet werden
79 muss.

 

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